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Selbstfürsorge im Schulalltag – nicht reden sondern machen!

Was bedeutet gelebte Selbstfürsorge überhaupt? Gerade lese ich an vielen Orten, dass entweder die Lehrkräfte am Anfang der Ferien krank werden oder aber, dass sie sich jetzt so richtig eine Auszeit „gönnen“ und auftanken, sich etwas Gutes tun.

Allerdings ist das sehr fatal, denn das bedeutet, dass viele von uns während des Schuljahres ihre Selbstfürsorge vernachlässigen, auf die Zähne beißen und immer wieder über ihre Grenzen gehen,.

„Nur noch bis zu den Ferien!“, „Bald ist Wochenende!“ – so wird immer wieder aufgeschoben bis gar nichts mehr geht! Darüber habe ich schon im Artikel „Raus aus dem Pädagogenkoma“ geschrieben, den ich hier nochmals verlinke: https://authentischlehren.com/2020/11/04/lehrer-sein-raus-aus-dem-padagogenkoma/

Immer wieder erwähne ich das Bild von dem Stufenbrunnen und spreche darüber, dass unsere inneren Schalen nie ganz leer gehen dürfen. Aber sie tun es, indem sich Lehrkräfte von Tag zu Tag bis zum Wochenende hangeln, von Woche zu Woche bis zu den Ferien kämpfen. Das macht mürbe, innerlich verzweifelt – manche Menschen werden dann hart zu ihren Mitmenschen und ungerecht, weil sie sich selbst die ganze Zeit vernachlässigen.

Je anstrengender allerdings unser Berufsalltag ist, desto wichtiger ist es, in uns selbst zu investieren und zwar liebevoll, nicht mit noch mehr Druck oder Zwang: „Du musst aber auch mal abschalten.“, „Jetzt muss ich auch noch Laufen gehen!“. Ich MUSS ersetzen wir zuerst Mal mit ich DARF – „Ich darf mir einige Minuten für mich selbst nehmen.“. Das macht schon einen großen Unterschied.

Weil es den Lehrkräften so schwer fällt für sich selbst zu sorgen und die Herausforderungen im Berufsalltag wirklich sehr hoch sind, brauchen wir ein Repertoire von einfachen Übungen und Tools, die effektiv und einfach umsetzbar sind. Wenn ich gewisse Übungen verinnerlicht habe, dann fällt es mir im Alltag leichter sie zwischendrin anzuwenden. Selbstfürsorge nährt und stützt uns am nachhaltigstem, wenn wir sie als Rituale fest in unserem Alltag kultivieren.

Diese Rituale sind am besten

EINFACH

ZEITLICH FLEXIBEL

AUF DAS WESENTLICHE BESCHRÄNKT.

Eigentlich ist Selbstfürsorge und damit auch ein Akt der Selbstliebe ein Thema, das mich mein ganzes Leben lang begleitet und immer wieder in meinen Beratungen eine Rolle spielt, seit dem ich meine Klang- und Entspannungspraxis im Jahre 2009 leitete. Denn die Einfachheit und Umsetzbarkeit der Übungen, die kleinen Erinnerungen als Impulse, sind Geschenk und gleichzeitig Anlass für die größten Kritiker: In der Leistungsgesellschaft wurde uns immer eingeredet, dass nur Erfolg bringt, was wir uns hart erarbeiten. Dieses Gedankenmuster sitzt in vielen Köpfen fest und gerade bei Lehrpersonen spiegelt es sich oft, da wir immer noch ein auf Leistung bezogenes Schulsystem haben. Deshalb fühlen sich viele Lehrkräfte geradezu getriggert, wenn ich ihnen im 1:1-Coaching oder meinen Kursen Übungen und Tools vorstelle, die in nur 5 – 10 Minuten täglich einen großen Unterschied in unserem Wohlbefinden hervorrufen und Selbstfürsorge somit in unserem Berufsalltag verankerbar machen.

Dabei kennen wir alle die Geschichten, von der kleinen Mücke, die so viel Macht hat uns den Schlaf zu rauben oder von dem steten Tropfen, der den Stein aushöhlt. Die ständige Erinnerung und Impulsgebung macht genau dies, sie löst uns aus der Starrheit und bringt unser Leben, unsere Gedanken wieder in einen Fluß. Die Übungen und Tools sind nichts Neues und vielen von uns bekannt, denn Selbstfürsorge und Achtsamkeit sind ja Schlagworte in den neuen Medien und man findet viele Impulse dazu hier und da. Nun geht es darum, daraus die Impulse zu finden, die DICH individuell und persönlich ansprechen, die du TÄGLICH als dein festes RITUAL in deinem Alltag verankern möchtest.

WIR WISSEN SO VIEL,

ABER WANN KOMMEN WIR WIRKLICH IN DIE UMSETZUNG, INS TUN?

Gerade weil deine Rituale zu dir passen müssen, damit du sie durchführst, ist es wichtig, nicht einfach etwas zu übernehmen, sondern hinein zu spüren und sie zu deinem EIGEN zu machen. Es geht hier wirklich um die Einfachheit des Seins, darum, nicht ALLES IMMER zu wollen und somit auch um eine gute Life-Work-Balance.

Deshalb habe ich zum Beispiel für mich selbst festgestellt, dass in all´ den Jahren wenige Säulen der Selbstfürsorge für mich wichtig sind – vernachlässige ich diese über einen längeren Zeitraum geht es mir ganzheitlich nicht mehr gut und ich bin viel weniger belastbar in meinem Beruf, verliere meine Gelassenheit gegenüber meinen Schüler*innen und meinen eigenen Kindern. 

Meine Säulen sind:

  • Auszeit in der Natur, am besten in Bewegung
  • Journaling
  • Atemübungen

Ich habe in meinem Alltag als Lehrerin mit 3 Kindern, Hund und meinen sonstigen Leidenschaften (Authentisch lehren) keine Zeit mehr für lange 90-minütige Yoga-Sessions. Aber die Essenz, der Atem verbunden mit Bewegung ist eine Säule, die mich trägt. Seit einiger Zeit nun praktiziere ich die 8 Bewegungen der Wirbelsäule oder Lu Jong (Tibetisches Heilyoga) – nur 10 – 15 Minuten pro Tag und auch ohne Yogamatte oder besondere Kleidung. Ich mache meine Übungen einfach da, wo ich gerade bin – im Stehen in der Natur oder sogar auf dem Schulhof in der Pause. Ich nehme mir somit den Stress, bei allen Anforderungen an mich auch noch zu denken: „Ich muss aber noch ins Yoga!“. Ich tue einfach!

In den letzen Monaten habe ich oft mit älteren Menschen gesprochen, die im Heim mit meiner Oma lebten. Dabei wurde in den Gesprächen oft klar, dass viele von ihnen ein Ritual im Leben hatten bis ins hohe Alter. Meistens ging es ihnen schlechter, wenn sie diese geliebte oder auch einfach automatisierte Sache nicht mehr tun konnten. Meine Großmutter, die vor einigen Wochen verstarb , wurde 93 Jahre alt. Seit ich sie kannte hatte sie einige, wichtige Rituale, die zu ihr passten:

Seele & Geist

Sie sang für ihre Seele. Singen war ihre Leidenschaft und sie sang jeden Tag. Das half auch ihrem Geist, denn sie konnte alle Texte auswendig und sang keine „falschen“ Töne.

Körper

Sie lief Treppen! Bis vor drei Jahren war das ihr Sport. Manchmal lief sie Treppenstufen einfach so zu ihrer Ertüchtigung.

Und ähnlich ging es vielen ihrer Freund*innen: „Ich habe immer im Garten gearbeitet. Jeden Tag nach dem Büro!“, „Ich habe immer auf der Bank vor dem Haus gesessen und einfach mal nix gemacht, den Himmel angekuckt.“ und jemand anderes ging immer mit seinem Hund raus, eine Frau aß jeden Tag einen Apfel, die Andere kochte sich immer im Winter einen warmen Brei mit Zimt … Unzählige kleine und große Rituale prägten ihre Leben auch schon, als sie im Beruf standen und Familien hatten und sie halfen ihnen immer wieder sich „aufzurichten“ bis ins hohe Alter.

Einfache, gut umsetzbare, kleine Übungen helfen uns loszulassen, aufzutanken und uns neu auszurichten. Sie helfen uns, ganzheitlich gesund zu bleiben in allen Zeiten.

Ein weiterer Punkt, der mir am Herzen liegt ist, dass wir, wenn wir aktive Selbstfürsorge leben, ein Vorbild sind für andere. Ich thematisiere in meinem Alltag mit meinen Kindern und in meinem Berufsalltag mit meinen Schüler*innen, warum Selbstfürsorge und Selbstliebe so wichtige Schlüssel für mich in meinem Leben sind. Ich rede nicht nur darüber, wie ich versuche gut auf mich zu achten, sondern ich lade ein, die Übungen mit zu machen, inne zu halten, durchzuatmen – nicht nur im Unterrichtsfach Gesundheit / Yoga, sondern in allen Fächern baue ich das ein. Hier eine Atemübung zum Stundenbeginn, eine Schüttelübung zum Loslassen oder auch mal eine Herzspüren-Übung bei überkochenden Emotionen. Ich verbalisiere wie es mir geht und was ich brauche. Wir reflektieren gemeinsam und schulen unsere Achtsamkeit. Das ist Lernen am Vorbild, im Kontakt, auf Augenhöhe und echte Beziehungsarbeit.

Selbstfürsorge ist somit nachhaltig und auch Friedensarbeit sowie Persönlichkeitsschulung. Wenn ich mich selbst und meine Bedürfnisse kenne, sie achte und gesunde Grenzen setze, dann gestehe ich das auch meinen Mitmenschen zu.

Ein entspannter Geist, ein starker Körper und eine genährte Seele lehrt und lernt besser.

Deshalb ist mir persönlich das Thema Selbstfürsorge so wichtig. Ab September gibt es einen Online-Kurs genau dazu, der Lehrkräfte dabei unterstützt ihre eigene Schatzkiste mit Übungen und Tools für Selbstfürsorge im Schulalltag zu packen.

Zum Schluss noch ein kleiner Impuls von mir. Wenn ich wirklich keine Zeit habe und Raum und Ort überhaupt nicht passend sind (wie gestern in einem überfüllten, heißen Zug mit 4 aufgedrehten Kindern), dann ist meine Übung der Selbstfürsorge diese:

4-8-8-Atmung

Atme 4 Sekunden lang langsam ein.

Halte den Atem 8 Sekunden lang ein.

Atme langsam und tief 8 Sekunden lang aus.

Wenige Runden lang selbst mit Maske reichten mir schon, um klarer im Kopf zu werden und neue Energie zu verspüren. Ich schenkte mir ein Lächeln und konnte meinen Kindern und der herausfordernden Situation wieder gelassener begegnen.

Ein entspannter Geist, ein starker Körper und eine genährte Seele liebt und lebt besser.

Probiere es aus!

Herzlichst,

Kirsten Brandt

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